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Dokumentation: 3. Tag der Kita-Verpflegung in NRW 2017

Stand:
Fachtagung 3. Tag der Kita-Verpflegung 2017
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Miteinander essen - genießen - spielen - lernen. Durch eine steigende Anzahl von Kindern aus verschiedenen Kulturen in der Kita erhöhen sich die Anforderungen an pädagogische Kräfte, Kita-Leitungen, Hauswirtschaftskräfte und Essensanbieter alle Kinder mit leckeren und gesunden Mahlzeiten zu versorgen. Zudem darf neben immer flexibleren Öffnungszeiten und vielfältigen Wünschen und Bedürfnissen der Eltern für ihre Kinder ein Blick auf das Kita-Personal nicht fehlen.

Mit Blick auf die Frage: Was brauchen Sie für die Praxis, um in der Kindertagesbetreuung gemeinsam Vielfalt zu leben? sind wir mit rund 120 Teilnehmern, Experten und Praxispartnern ins Gespräch gekommen. Neben verschiedenen Gesprächsrunden bot ein großer Marktplatz mit unterschiedlichen Ausstellern den Teilnehmern ganztägig Raum zu Gesprächen.

Abteilungsleiterin im LVR-Landesjugendamt Rheinland Ursula Knebel-Ittenbach, Ingrid Köth-Jahr Referatsleiterin im Verbraucherschutz-
ministerium des Landes NRW, Sarah Kühling Referentin im Kinder- und Jugendministerium des Landes NRW und Ulrike Schell Mitglied der Geschäftsleitung der Verbraucherzentrale NRW, eröffneten den Tag und unterstrichen mit ihren Beiträgen die Bedeutung einer guten, gesunden und vielfältigen Kita-Verpflegung.

Die Fachtagung wurde in Kooperation mit dem LVR-Landesjugendamt durchgeführt.

Interkulturelle Sensibilität und Kompetenz - von Beginn an

Mit seinem Input verdeutlichte Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan, Leiter des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung an der Universität Duisburg-Essen, warum interkulturelle Sensibilität und Kompetenz so wichtig sind.

  • Vielfalt als Normalität in Deutschland
  • Was brauchen alle Kinder für eine gesunde psychische Entwicklung?
  • Elterliche Erziehung im interkulturellen Kontext Grundlagen interkultureller Kompetenz
  • Wie gut kennen Eltern mit Zuwanderungsgeschichte Erziehungs- und Ernährungsbildungsangebote?

Eine zentrale Dimensionen interkultureller Kompetenz bildet sich durch (fachliche) Souveränität aus. Hier zählen insbesondere die Fähigkeiten zur Perspektivübernahme, aber auch das Interesse an der eigenen und anderen Kulturen spielt eine wesentliche Rolle. Alle Akteure in der Kindertagesbetreuung sollten sich zudem ihrer persönlichen kulturellen Einflüsse bewusst sein. Als einen weiteren wichtigen Baustein beleuchtet Prof. Dr. Uslucan die Fähigkeit einer guten und transparenten Kommunikation.


Gesprächsrunde: Vielfalt in der Praxis

Mit einer Gesprächsrunde haben wir mit Praxispartnern das Thema "Vielfalt" mit Blick auf Essen und Trinken in der Kindertagesbetreuung näher beleuchtet.

Neue kulinarische Einflüsse, z. B. durch andere Esskulturen, Essgewohnheiten und Traditionen bieten wunderbare Möglichkeiten, Vielfalt in der Kita zu integrieren. Eltern rund um die Aktivitäten mit einzubinden fördert das Miteinander: Denn nichts ist schöner, als mit Kindern ein neues Gericht zu kochen und anschließend gemeinsam zu essen. Die drei Praxisbeispiele zeigen Wege, Chancen und Möglichkeiten auf, um allen Kindern in der Kindertagesbetreuung ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen:

Stadt Bergheim

  • Dr. med. Karin Moos, Leiterin des Kinder- und Jugendärztlichen Dienst im Kreisgesundheitsamt des Rhein-Erft-Kreis
  • Andrea Hufermann, Fachberaterin im Jugendamt der Stadt Bergheim

Die Kreisstadt Bergheim ist seit 2009 in dem Handlungsfeld der Verpflegung in Kindertageseinrichtungen mit besonderer Aufmerksamkeit aktiv. Aus diesen Aktivitäten ist das Qualitätssiegel des Bergheimer Bildungsnetzwerkes Kindergesundheit "Gesund und Lecker!" entstanden. Es wurden alle Kindertageseinrichtungen trägerübergreifend in den Prozess einbezogen. Aus diesem langjährigen und interdisziplinären Qualifizierungsprozess ist ein umfassender Informations-, Dokumentations- und Arbeitsordner entstanden.

Hier können Sie diesen Ordner herunterladen: "Essen in den Bergheimer Kindertageseinrichtungen" (PDF-Datei, 6 MB) Ein Erfolgsfaktor für umfangreiche und langjährige Entwicklungsprozesse - auf Ebene der Kommune, bei freien Trägern oder direkt in der Kindertageseinrichtung - ist die Beteiligung aller Akteure und Partner. Dies sollte von Beginn an gelebt und umgesetzt werden, denn gemeinsam entwickelte Konzepte werden von allen getragen, wenn jeder sich darin wiederfindet.

Familienzentrum Simsalabim

  • Saskia Schmitt, pädagogische Fachkraft im Familienzentrum Simsalabim in Niederkrüchten-Elmpt
  • Elham Takmili, Köchin im Familienzentrum Simsalabim in Niederkrüchten-Elmpt

Die Küche ist das Herzstück im Familienzentrum Simsalabim. Hier wird seit 1995 selbst gekocht und das in Bioqualität, zudem werden alle Lebensmittel von einem Biolandhof direkt aus der Nähe bezogen. Das Familienzentrum Simsalabim ist seit 2012 zertifizierter anerkannter Bewegungskindergarten mit dem Pluspunkt Ernährung. Frau Elham Takmili ist die Köchin der Einrichtung und hat die persische Küche einfließen lassen. Sie kocht täglich schmackhafte und frische Mahlzeiten für die Kinder. Das Lieblingsessen der Kinder - eine persische Linsensuppe - hat Frau Takmili aus ihrer Heimat mitgebracht.

Auch im pädagogischen Bereich bietet das Familienzentrum vielfältige Bildungsangebote. Kinder sollen im Rahmen der gesunden Ernährung mit einbezogen und auch selbst aktiv werden können. Es wird in Koch-Aktionen selbständig gekocht und gebacken. Auch der Garten bietet Platz für Aktionen rund um eine gesunde und nachhaltige Ernährung. Es gibt einen Naschgarten und Wiesen mit Obstbäumen zu erkunden und selbst angebautes Gemüse kann nach getaner Arbeit probiert werden.

Gerichte aus anderen Ländern an Kinder heranzubringen benötigt Raum zum Ausprobieren. Mit verschiedenen kleinen "Probier-Portionen" lässt sich mit der Zeit der Geschmack der Kinder besser einschätzen. Gleichzeit ist es wichtig, mit den Kindern und Eltern ins Gespräch zu kommen. Durch eine "offene Küchentür" können die Kinder direkt eine Rückmeldung geben, was ihnen gut geschmeckt hat und was sie nicht so gerne mögen.

Kinder und Familienzentrum BLAUER ELEFANT Zollverein

  • Yvonne Stamm, Leiterin des Kinder- und Familienzentrum BLAUER ELEFANT Zollverein, Essen

Das Kinder- und Familienzentrum BLAUER ELEFANT Zollverein wurde vor 20 Jahren eröffnet und zeichnet sich durch eine Vielzahl an Kooperationspartnern und eine umfangreiche Angebotsvielfalt aus. Vielfältige Bildungsprojekte und Angebote zur Gesundheitsförderung beziehen die ganze Familie mit ein, z. B. Eltern-Kind Kochkurse und Koch-Tage, Kinder- und Familienfreizeiten, Vater-Kind-Aktionstage etc. Alle Familien werden im Vorfeld durch das Familienzentrum besucht und Willkommen geheißen. So entsteht von Beginn an eine vertraute und transparente Basis des Miteinander. Zudem werden über regelmäßige Aktionen, wie dem Eltern-Kind Kochen alle zusammen in die Einrichtung eingeladen und erleben gemeinsam Aktivitäten, die verbinden.

Um Eltern aus verschiedenen Kulturen mitzunehmen und anzusprechen ist eine offene Haltung und ein vertrauensvoller Umgang aller Beteiligten entscheidend. Das Thema "Essen und Trinken" bietet eine gute Grundlage, Eltern in die Arbeit der Kindertageseinrichtungen einzubeziehen.